Neues Abwasserpumpwerk in Mitte löst Hobrecht-Bau ab
Die Berliner Wasserbetriebe nehmen an der Chausseestraße 95 in Berlin-Mitte nach dreijähriger Bauzeit ein neues, vollautomatisiertes und aus der Leitzentrale an der Holzmarktstraße überwachtes und ferngesteuertes Abwasserpumpwerk in Betrieb. Es ist das größte solche Werk im Ostteil Berlins und ersetzt das 160 Meter westlich gelegene Pumpwerk Berlin IV an der Scharnhorststraße 12. Damit geht die Ära des 1880 erbauten vierten von insgesamt zwölf Radialsystempump- werken zu Ende, die zwischen 1876 und 1893 im Rahmen des Stadtent- wässerungsplans von James Hobrecht errichtet worden waren. Das Gebäude wird abgerissen.
Der von Ingenieuren der Wasserbetriebe entworfene Neubau hat 12,9 Mio. Euro gekostet. Die Anlage mit fünf Elektrokreiselpumpen in einer Tiefe von 10,50 Meter kann bei Trockenwetter 23.000 Kubikmeter (m³) Abwasser am Tag aus einem Einzugsgebiet von 962 Hektar mit 103.315 Einwohnern ableiten. Bei Regen werden aus dem Mischsystem bis zu 800 Liter pro Sekunde wahlweise zu den Klärwerken Ruhleben oder Schönerlinde gepumpt. Das Werk hat zwei voneinander unabhängige Energieeinspeisungen und ist an zwei je einen Meter starke Abwasserdruck- leitungen angeschlossen. Für die Rohre wurde unter der Chausseestraße ein 2,50 Meter starker Betontunnel im Schildvortriebsverfahren verlegt - unter dem U-Bahn-Tunnel der Linie 6 in 17 Meter Tiefe.
Entlastung der Mischwasserkanalisation bei Starkregen
Die Berliner Wasserbetriebe planen westlich hinter dem neuen Pumpwerk den Bau eines unterirdischen Regenüberlaufbeckens zur Zwischenspeicherung von Mischwasserabflüssen bei starkem Regen. Mit 40 Meter Durchmesser, 20 Meter Tiefe und 17.000 m³ Volumen wird es das größte seiner Art in Berlin. Mit solchen Stauräumen werden bei Wolkenbrüchen Überläufe von verdünntem Abwasser in die Gewässer vermieden. Ein vom Land Berlin mit den Berliner Wasserbetrieben vereinbartes Programm zur Verbesserung der Gewässergüte sieht vor, bis 2020 insgesamt 302.000 m³ (von denen es heute bereits 213.000 m³ gibt) Stauraumkapazität in der innerstädtischen Mischwasserkanalisation zu schaffen. Die Kosten dafür teilen sich das Land Berlin und die Wasserbetriebe im Verhältnis 60:40. Das dem Land Berlin gehörende Grundstück verbindet das Pumpwerk an der Chausseestraße mit dem künftigen Panke-Grünzug. Die Grünflächen auf dem Regenrückhaltebecken und der Fußweg zwischen Chausseestraße und Panke-Grünzug sind als gestalterische Einheit konzipiert.
Der Presseinformation liegen Grafiken zur Architektur und zur Lage des Pumpwerks bei.
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2010