Lamellenfilter macht den Fennsee zum Fein-See
Schlussspurt auf der Baustelle für Europas größten Lamellenfilter am Fennsee in Wilmersdorf: In diesen Tagen werden in die 95 m lange, 6 m breite und mehr als 5 m hohe Röhre unter der Wallenbergstraße die Lamellen eingebaut. Im April geht er in Betrieb und soll fortan den jahrzehntelang arg gebeutelten Fennsee nachhaltig sanieren. Die von den Berliner Wasserbetrieben im Auftrag des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf betreute Maßnahme ist eine technische Innovation. Möglich wurde die 6-Mio.-Euro-Investition durch die gemeinsame Finanzierung der EU aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Berlin im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms II der Senatsumweltverwaltung.
„Für die Anwohnerinnen und Anwohner rücken das Ende der Geruchsbelästigung und damit eine höhere Lebensqualität in Wilmersdorf, einem Innenstadtbereich, in greifbare Nähe“, freut sich Martina Schmiedhofer, Umweltstadträtin in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Die zukünftig bessere Nutzung des Fennsees als Naherholungsgebiet wird hoffentlich für die Belästigungen der vergangenen Jahre entschädigen.“
„Mit dem Lamellenfilter als Pilotprojekt verfügen wir über eine weitere moderne Technik zur Behandlung von verschmutztem Regenwasser, das heute in unserer Region der wesentliche Eintragspfad für Nährstoffe in die Gewässer ist“, sagt Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe. Um diese Einträge zu minimieren habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren gemeinsam mit dem Land Berlin neue Technologien vorangetrieben, so Simon. Dabei verweist er etwa auf Stauraumkanäle zur unterirdischen Zwischenspeicherung von Abwasser und auf Retentionsbodenfilter - eine Art Pflanzenkläranlage für Regenwasser.
Der Fennsee im Dreieck zwischen Stadtautobahn sowie Brandenburgischer und Berliner Straße wurde 1903 in der eiszeitlichen Rinne künstlich als Regenrückhaltebecken angelegt. Er speichert bis zu 68.000 m³ Wasser und hat ein Einzugsgebiet von 215 ha Straßen und der Stadtautobahn. Als Teil des Volksparks Wilmersdorf dient er auch der Naherholung in der Innerstadt. Die schlechte Gewässerqualität vermiest jedoch vor allem im Sommer den Ufer-Bummel. Denn mit dem Regenwasser werden Schmutz und Laub und damit Nährstoffe in den See gespült, die darin zu Sauerstoffmangel, Gestank und Fischsterben führen. Nachdem der See selbst 2006/7 von Schlamm und Abfällen befreit wurde soll der Lamellenfilter nun die Gewässergüte dauerhaft verbessern, indem er den Nährstoffeintrag wesentlich reduziert.
Die Technik funktioniert so: Das Regenwasser strömt über Kanäle und einen Sandfang in den Partikelabscheider, wie der Filter offiziell heißt. Der ist in zwei Straßen eng mit Kunststofflamellen bestückt. Diese Lamellen werden mit Schwimmern beim Beströmen der Becken entgegen der Fließrichtung geneigt. So wird das Wasser gebremst, der mitgeführte Schmutz setzt sich an den Lamellen ab. Die Becken fassen jeweils 300 m³. Im Zulaufkanal können weitere 1.200 m³ aufgestaut werden, so dass je nach Regenstärke und -dauer die Becken einzeln oder gemeinsam bis zu vier mal beströmt werden können. Sind die Becken voll stellen sich die Lamellen senkrecht, der Schlamm rutscht herunter und wird anschließend in die Kanalisation gepumpt. Die Anlage funktioniert vollautomatisch und ist wartungsarm. Der Filter kann 1.500 l Wasser pro Sekunde bzw. über 80 % des jährlichen Regenabflusses reinigen.
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2010