Symbiose verschiedenster Akteure bringt Erfolg
Auszüge aus der Rede. Es gilt das gesprochene Wort.
Ich möchte gern über deutsche Umwelttechnologie und deren Chancen auf dem internationalen Markt etwas sagen. Zunächst lassen Sie mich einen Begriff anders deuten, der auch in der Berichterstattung rund um den Internationalen Tag des Wassers und rund um diese Messe immer wieder auftaucht und aus dessen Verkürzung falsche Schlüsse gezogen werden: der so genannte Weltwassermarkt. Der ist angeblich riesengroß und wächst angeblich ständig weiter. Ich sage, diesen Weltwassermarkt gibt es so nicht. Verbunden mit Redewendungen wie „Wasser – das Öl des 21. Jahrhunderts“ suggeriert der Begriff einen Ressourcen-Ausverkauf. Dieser Markt ist im Wesentlichen ein Dienstleistungsmarkt und ein Markt, der auf partnerschaftlichem Miteinander basiert. Wir sind hier, um modernste Technik – Rohre, Pumpen, Software – und Betreiber- Dienstleistungen anzubieten oder zu suchen, um miteinander zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.
Und dabei sind wir natürlich als Gastgeberland sehr stolz darauf, dass auch in unserer Branche – ähnlich wie in der Autoindustrie oder im Maschinenbau – das „Made in Germany“ ein sehr geschätztes Qualitätssiegel ist. Dieser Erfolg hat hier in Deutschland viele Väter. Da sind die sehr eng in ihrem Umfeld verwurzelten Ver- und Entsorgungsunternehmen, die zum Teil auf mehr als 150-jährige Traditionen zurückblicken und deren Selbstverständnis – auch wenn’s manchmal preußisch zuging – immer auf Innovation ausgerichtet war, obwohl für die allermeisten dieser Unternehmen der Markt eher von der Ein- als von der Verkäufer-Seite gesehen wurde.
Da ist der breite industrielle Bereich vom kleinen Familienunternehmen wie 3 S-Antriebe hier aus Berlin bis zum großen Automatisierungskonzern wie Siemens. Da ist die große Landschaft aus Forschern und Entwicklern in Universitäten, Instituten oder Ingenieurbüros. Und da ist das mitunter durchaus symbiotische Zusammenwirken dieser Gruppen, was – und hier soll der fordernde und Normen vorgebende Staat als wesentlicher Innovations-Treiber nicht vergessen werden – im Zusammenspiel eben dazu führt, dass die deutsche Wasserbranche international einen so guten Ruf genießt. Damit dies so bleibt, hat sich ein Netzwerk aus verschiedenen Akteuren der Wasserwirtschaft gegründet: German Water Partnership.
Wir in der Berlinwasser Gruppe sind seit 15 Jahren auf dem internationalen Markt präsent. Wir verantworten gemeinsam mit Veolia die Abwasserentsorgung in Budapest, wir haben in China Wasser- und Klärwerke gebaut und werden als Planer und Consultant von Unternehmungen und Regierungen in zahlreichen Ländern von Mauritius bis Bahrain geschätzt. Dabei steht sowohl für die Berlinwasser International wie auch für unser Ingenieurunternehmen p2m berlin – das sind die beiden für uns international tätigen Unternehmen – immer die Bekanntheit, das Wissen und die Tradition der Berliner Wasserbetriebe im Hintergrund.
Von enormer Bedeutung dabei sind neben dem technischen Know-how zwei weitere Fakten: Wir sind nicht in dreifacher Beziehung ein Zwei-Sparten-Unternehmen. Wir haben als erste große deutsche Gesellschaft schon vor Jahrzehnten die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung vereinigt, so wie das jetzt auch die Kollegen bei Hamburg Wasser tun. Wir haben nach der Wende ein Ost- und ein West-Unternehmen vereinigt, können also auch technisch mit verschiedensten Standards umgehen. Und wir sind seit zehn Jahren ein öffentlich-privates Unternehmen und können so gemeinsam mit unseren Gesellschaftern RWE und Veolia auch in vielen Punkten scheinbar gegensätzliche Ansprüche in Einklang bringen.
Die deutsche Wasserbranche ist firmenübergreifend und interdisziplinär dabei, sich nicht nur für den heimischen, sondern auch für den internationalen Markt effizient und zeitgemäß neu auszurichten. Dabei ist der Trend zu größeren Einheiten ohne Aufgabe des Vorteils der engen lokalen Anbindung inzwischen ebenso unübersehbar wie die Bildung von Netzwerken. Der Einzug von Umweltstandards in den aufstrebenden Schwellen- und Industrieländern Asiens und Lateinamerikas und die zum Teil existenziellen Wasserprobleme in Afrika umreißen einen Markt, dessen Sättigungsgrenze noch nicht mal am Horizont auszumachen ist. Wenn es gelingt, hierfür auch die notwendigen Finanzierungen zu ermöglichen, dann werden aus Marktchancen echte Exporte von Wissen und Technik.
Es gibt wohl gegenwärtig keinen Ort auf der Welt, an dem zeitgleich und Wand an Wand nicht nur in den Messehallen, sondern auf einem runden dutzend begleitender Kongresse und Symposien so viel und vor allem so multithematisch über Wasser gesprochen wird: Da geht es beispielsweise um die Konsequenzen aus den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie, die ja über die Verschärfung der Grenzwerte letztlich auf vierte Reinigungsstufen für die Klärwerke hinauslaufen werden. Da geht es auch darum, ob diese Ziele mit dem Klimaschutz einhergehen, oder ob so die bisherigen Energieeinsparungen mehr als „aufgefressen“ werden.
Und aus der Sicht meines Hauses würde ich Sie gern auf den Baustellentag des Rohrleitungsbausymposiums hinweisen, bei dem wir gemeinsam mit Berliner Baufirmen am Mittwoch 25 technologisch interessante Bauprojekte direkt vor Ort demonstrieren. Die meisten davon zeigen übrigens grabenlose Bauverfahren, mit deren Hilfe wir schon seit etlichen Jahren die Hälfte aller Kanäle bauen.
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2009