Der Halensee wird aufgeklärt
Der Retentionsbodenfilter am Charlottenburger Halensee reinigt seit 2007 jährlich rund 80.000 m³ von der Stadtautobahn und anderen Straßen im Umfeld abfließendes verschmutztes Regenwasser bevor es in den See läuft.
„Wir beobachten sehr genau, dass sich der See nicht nur optisch wahrnehmbar, sondern auch biochemisch stark erholt hat“, sagt Martina Schmiedhofer, Umweltstadträtin von Charlottenburg- Wilmersdorf. So sank u. a. der Algendünger Phosphor von 83 auf 39 µg/l und die abfiltrierbaren Stoffe werden um mehr als 98 % zurückgehalten. „Wir wollen den Halensee gerne wieder als Badesee zulassen“, so Stadträtin Schmiedhofer. „Um die für den Badebetrieb entscheidende Verbesserung der bakteriologischen Belastung garantieren zu können, werden aber noch weitere Untersuchungen benötigt, die mindestens noch ein Jahr in Anspruch nehmen werden.“
„Die Ergebnisse sind so klar wie inzwischen auch das Seewasser, dessen Sichttiefe sich von 46 cm im Jahr 2005 bis heute fast vervierfacht hat“, sagt Dr. Georg Grunwald, Technik-Vorstand der Berliner Wasserbetriebe. „Der Bodenfilter arbeitet sehr effektiv – eine Tatsache, die wir auch an den drei anderen solchen Anlagen konstatieren“, so Grunwald. Weitere Retentionsbodenfilter betreiben die Wasserbetriebe in am Biesdorfer Baggersee, in der Wissenschaftsstadt Adlershof und in Blankenburg
Das 2.200 m² große Filterbecken der 5 Mio. €-Anlage ist einen Meter stark mit einem Filtersubstrat belegt und mit Schilf bepflanzt. Das Regenwasser von 28 Hektar versiegelter Fläche fließt über Kanäle zuerst in ein Becken, in dem sich der grobe Schmutz absetzt. Im eigentlichen Filter werden dann an Partikel gebundene und gelöste Verunreinigungen wie Phosphor, Stickstoff und Schwermetalle zurückgehalten. Schilfwurzeln verhindern ein Verstopfen des Filters. Die Wasserbetriebe haben den Filter gebaut und betreiben ihn, die Baukosten trugen zu 61 % der Bund als Eigentümer der angrenzenden Stadtautobahn, 39 % trägt das Land Berlin.
Der Halensee ist 5,7 ha groß und bis zu 10 m tief. Er gehört zur kleinen Grunewaldseenkette und speist sich – weil er keine natürlichen Zu- und Abläufe mehr hat – ausschließlich aus Straßenabläufen. Darin bestand die Malaise, denn der in den See gespülte Schmutz fließt nicht ab, sondern konzentriert sich auf. Seit 2003 ist deshalb Baden verboten, das Freibad wurde 2002 aufgegeben. Nicht jeder hält sich daran. Die Liegewiese am Nordufer, an deren Rand der Bodenfilter liegt, erfreut sich insbesondere bei Nudisten hoher Beliebtheit.
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2011