Moderlieschen wachen mit feinem Gespür über Wasserqualität
Die Berliner Wasserbetriebe überwachen die Qualität des Trinkwassers in den Wasserwerken nicht nur mit einem dichten Netz von chemischen, biologischen und physikalischen Laboranalysen, sondern darüber hinaus auch mit Online-Messungen sowie mit lebenden Organismen. „Für die Sicherung der hohen Qualität unseres Trinkwassers tun wir von nachhaltiger Ressourcenbewirtschaftung über naturnahe Aufbereitung bis zu einem dichten Analyseregime deutlich mehr, als wir gesetzlich müssten“, erklärt Technik Vorstand Norbert Schmidt
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Online werden durch Sensoren permanent der ph-Wert, die Trübung, die elektrische Leitfähigkeit, die Sauerstoffsättigung und das Redoxpotenzial gemessen. Zudem gibt es kleine tierische Helfer – in den Berliner Wasserwerken sind das kleine Fische –, deren Verhalten Rückschlüsse auf die Wasserqualität erlaubt. Sie werden so genannten Biotoximetern eingesetzt. Das sind mit Wasser durchströmte Behälter, in denen Lebenwesen schwimmen und permanent von Kameras beobachtet werden, die mit Computern gekoppelt sind.
Sowohl die Online-Messungen als auch die Biotoximeter wurden als weitestgehend automatisierte Überwachungssysteme so konstruiert, dass sie Leitparameter messen, welche einen ersten Rückschluss auf die aktuelle Qualität des unmittelbar gelieferten Trinkwassers liefern. Die erfassten Daten werden archiviert und erlauben so eine permanente Überwachung.
In den Berliner Wasserwerken werden in Biotoximetern Moderlieschen eingesetzt, heimische, bis zu 10 cm große, Karpfen ähnliche Fische. Sollten sie sich aufgeregt bewegen oder sich nur in einem bestimmten Teil des Beckens aufhalten, dann ist etwas nicht in Ordnung. Die durch dieses Verhalten ausgelöste Meldung wird auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft und löst im Ernstfall weitere Analysen oder auch das Schließen von Leitungen aus. Biotoximeter können auch mit Algen, Muscheln, Wasserflöhen oder Bakterien betrieben werden.
Biotoximeter werden auch in Berlin weiter entwickelt. Im Wasserwerk Friedrichshagen, dem mit einer Kapazität von täglich 250.000 m³ größten Berliner Wasserwerk, läuft ein vom Bund finanziertes Forschungsvorhaben bei dem ein schnelles, zuverlässiges, onlinefähiges Konzept für das frühzeitige Erkennen von Verunreinigungen im Trinkwasser entwickelt werden soll. Es beruht darauf, die Vitalität sehr schnell reagierender Kleinstlebewesen durch eine Kamera mit automatischer Bildauswertung online zu überwachen. Hierdurch sollen signifikante Veränderungen sehr schnell diagnostiziert und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
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2008